VW-Aufsichtsrat stimmt größtem Kahlschlag in der Volkswagen-Geschichte zu

Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet. Das VW-Management setzt sich in allen wesentlichen Punkten durch. Die IG Metall beweist zum wiederholten Male, dass sie nicht bereit oder willens ist, dem Arbeitsplatzabbau in Deutschland effektiv zu begegnen.

Die überraschende und schnelle Einigung zwischen den Arbeitnehmervertretern der IG Metall und dem VW-Management ist weniger überraschend, als es auf den ersten Blick erscheint.

Zu den schon im Dezember 2024 beschlossenen weltweiten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen kommen jetzt weitere 50.000 Arbeitsplätze hinzu. Der größte Teil wird in Deutschland abgebaut werden.

Das ist kein Tag zur Freude für die Beschäftigten bei VW, aber auch nicht für alle anderen Beschäftigten in Deutschland. Dass der Aufsichtsrat den Plänen des Vorstands einstimmig mit den Stimmen der IG Metall seine Zustimmung erteilt hat, belegt unsere prinzipielle Kritik an der IG Metall: Sie vertritt nicht die Interessen der Beschäftigten, sondern die Interessen des Kapitals und der Politik.

Schon bei der ersten Einigung mit den drastischen Spar- und Abbauplänen des VW-Managements im Dezember 2024 hat sich die IG Metall ihre Zustimmung erkaufen lassen.

Zur Erinnerung: Das VW-Management, welches vorgibt, knallhart insbesondere bei den Personalkosten sparen zu müssen, zahlt für die Zustimmung der IG Metall zu massivem Arbeitsplatzabbau sowie Produktverlagerungen ins Ausland jedem VW-Beschäftigten in den deutschen Werken, der Mitglied in der IG Metall ist, in Stufen ab dem Jahr 2030 jährlich 1.271 Euro.

Das heißt: VW zahlt jedem IG-Metall-Mitglied jährlich mehr Geld, als jenes selbst für seine Mitgliedsbeiträge an die IG Metall überweisen muss. Das VW-Management zahlt somit zukünftig den verbliebenen Beschäftigten ihre IG-Metall-Mitgliedschaft. Eine Win-win-Situation für VW-Management und IG-Metall-Funktionäre zulasten der Arbeitsplätze in Deutschland. Ohne diese Querfinanzierung wären viele VW-Beschäftigte aus der IG Metall ausgetreten.

Es war daher vorherzusehen, dass auch jetzt die IG Metall im Aufsichtsrat den Plänen des VW-Managements folgen wird. Das ist umso bemerkenswerter, als mit Christiane Benner nicht irgendeine IG-Metall-Funktionärin im Aufsichtsrat sitzt, sondern die Chefin der angeblich größten Einzelgewerkschaft der Welt.

Mit der erneuten Zustimmung zu den Plänen des VW-Managements hat die IG Metall erneut gezeigt, dass sie nicht um die Arbeitsplätze in Deutschland kämpfen wird. Sozialverträglicher Personalabbau ist kein Kampf um die Arbeitsplätze, sondern die verniedlichte Umschreibung von Wohlstandsvernichtung zulasten der Arbeitnehmer in Deutschland. Diese gut bezahlten Industriearbeitsplätze sind mit dieser Einigung auf Dauer verloren.

Die IG Metall hat vor dem Kapital kapituliert. Schlimmer noch: Sie treibt dessen Agenda aktiv voran. Statt die realen Wettbewerbsnachteile deutscher Unternehmen – hohe Steuerlast, explodierende Energiepreise und ausufernde Bürokratie – den politischen Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre zuzuordnen, übernimmt sie das Narrativ der Wirtschaftseliten und macht angeblich zu hohe Löhne zum Hauptproblem. Dabei sind die hohen Löhne selbst Folge einer Politik, die alles teurer gemacht hat. Die Kosten tragen nicht nur die Unternehmen, sondern überproportional die Arbeitnehmer – jene Netto-Steuerzahler, die wie eine Melkkuh geschröpft werden.

Wenn man in der Vergangenheit bei VW in der Lage war, gute Löhne zu zahlen, dann ist es jetzt ein Armutszeugnis einer Gewerkschaft, wenn sie die erkämpften Lohn-, Gesundheits- und Arbeitsschutzstandards nicht als Standard für alle Beschäftigten in Deutschland anstrebt und verteidigt, sondern durch ihre Zustimmung im Aufsichtsrat als Problem bestätigt.

Es sind nicht die Löhne, die Arbeit in Deutschland unnötig teuer machen. Es sind die viel zu hohen Lohnnebenkosten, die hohen Lebenshaltungskosten und die Folgen politischer Fehlentscheidungen, die Beschäftigte schultern müssen, um sich und ihre Familien durchzubringen. Wer die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessern will, muss dafür sorgen, dass Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto behalten, Energie wieder bezahlbar wird und sich Arbeit wieder lohnt. Eine spürbare Entlastung bei der Besteuerung von Arbeit würde Beschäftigten und Unternehmen gleichermaßen nützen. Davon sprach weder das VW-Management noch die Landesregierung in Niedersachsen – und auch nicht die IG Metall.

Es sind eben genau jene Kreise, die verantwortlich für die aktuelle Situation sind. Es war nicht zu erwarten, dass diese ihre eigene Verantwortung am wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands anerkennen – insbesondere nicht die IG Metall als größte Vorfeldorganisation der SPD und weiterer linker Parteien. Es reicht nicht aus, sich auf die tatsächlich gemachten Fehler des VW-Management zu stürzen, wenn man die Fehler der Politik und der IG Metall nicht gleichermaßen ins Feld führt.

Wie zu erwarten war, schoss nach Verkündigung des größten Kahlschlags in der Geschichte von Volkswagen durch den Aufsichtsrat, die VW- Aktie in die Höhe.

So zahlen zum wiederholten Male die Beschäftigten die Zeche. Schlimmer noch: Den Preis tragen künftige Generationen, denen man gut bezahlte Industriearbeitsplätze geraubt hat.

 

Zentrum – Die alternative Gewerkschaft

Pressemitteilung vom 4. September 2026

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