Die IG Metall lässt sich ihre Zustimmung zu Fremdvergabe, Personalabbau und der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland mit einem Bonustag erkaufen.
Die Stuttgarter Zeitung brachte es in der Überschrift ihres Artikels zum extra freien Tag für IG-Metall-Gewerkschaftsmitglieder bei Mercedes auf den Punkt:

Klaus Köster, Extra-Freizeit trotz Sparprogramm. Bonus für Gewerkschafter: Wie Mercedes künftig die IG Metall fördert, in: Stuttgarter Zeitung, 05.03.2025, https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.extra-freizeit-trotz-sparprogramm-bonus-fuer-gewerkschafter-wie-mercedes-kuenftig-die-ig-metall-foerdert.6ccfe108-9c09-4add-b2b9-4a03ae2c50c2.html
Seit Jahren weisen wir auf die große Nähe zwischen der Funktionärsspitze der IG Metall und dem Management speziell in der Automobil- und Zulieferindustrie hin – Stichwort: Co-Management. Der Deal dabei ist einfach: Die Arbeitgeber können ihre Ziele dank IG Metall widerstandslos umsetzen. Im Gegenzug sichern die großen Unternehmen ihnen den Mitgliederzugang der Beschäftigten zu, was der Gewerkschaft Millioneneinnahmen durch die Mitgliedsbeiträge einbringt. Eine Win-Win-Situation für das Management und den IG-Metall-Funktionsapparat, jedoch nicht für die Beschäftigten.
Bisher funktionierte dieses ohne plumpe, für jeden ersichtliche Unterstützungsleistungen. Das hat sich nun geändert. Um Massenaustritte zu verhindern, greifen die Arbeitgeber ihrer Lieblingsgewerkschaft in Form von Anreizen unter die Arme, wie jetzt durch den Bonustag für IG-Metall-Mitglieder bei Mercedes. Dieser Tag wurde nicht in harten Auseinandersetzungen mit wochenlangen Streiks „erkämpft“, sondern frei Haus geschenkt. Und das in Zeiten, in denen das Mercedes-Management mit seinem Sparprogramm Next Level Performance (NLP) fünf Milliarden Euro einsparen will.
Ein Akt der Nächstenliebe war es ganz sicher nicht. Um es klar und deutlich zu sagen: Der Bonustag ist eine Abwrackprämie für die IG-Metall- Mitglieder als Dank für die widerstandslose Akzeptanz der IG-Metall-Funktionäre zu Personalabbau, Fremdvergabe und der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Experten gehen vom Verlust jedes vierten Arbeitsplatzes aus.
Wer das nicht wahrhaben will, darf sich morgen nicht beschweren, wenn in Deutschland wirtschaftspolitisch die Lichter ausgehen. Eine gesunde Volkswirtschaft lebt im Kern vom produzierenden Gewerbe mit den dazugehörigen Arbeitsplätzen. Diese werden aber bald der Vergangenheit angehören.
Mercedes verstärkt mit NLP den eh schon vorhandenen Prozess der schleichenden Verabschiedung vom Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland. Das Motto lautet für Europa: Go East. So formulierte es der Finanzchef von Mercedes Harald Wilhelm auf der vergangenen Jahrespressekonferenz. Was das bedeutet, sieht man am Beispiel des ungarischen Werks in Kecskemét: Dieses wird massiv aufgewertet, erhält eine Kapazitätserhöhung von hunderttausend Einheiten sowie ein noch nicht näher bezeichnetes Produkt im Mercedes- Kernsegment. Die Begründung wird gleich mitgeliefert: Die Rahmenbedingungen sollen für das Unternehmen in Ungarn ungleich besser als in Deutschland sein. So sind z.B. die Faktorkosten dort 70 Prozent niedriger als hierzulande.
Ironie der Geschichte: In Deutschland gefallen sich führende Manager großer Konzerne darin, einerseits vor dem Erstarken des Rechtspopulismus in Deutschland zu warnen, um dann – wie im Falle von Mercedes – in ein Land zu gehen, in dem aus ihrer Sicht Europas führender Rechtspopulist, Viktor Orbán, regiert.
Vielleicht ist Ungarn mit Viktor Orbán politisch aber einfach besser aufgestellt als Deutschland. So gibt es in Ungarn keine unsinnige Energiewende, welche Energie teuer und uneffektiv werden lässt. Auch die Transformation weg vom Verbrenner findet in Ungarn keine Freunde, genauso die Sanktionspolitik gegen Russland, die illegale Einwanderung und vieles mehr.
Der größte Standortnachteil in Deutschland sind eben nicht die angeblich zu hohen Löhne, die relativ gesehen nur deshalb so hoch sind, weil das Leben in Deutschland so teuer, die Abgaben- und Steuerlast so hoch und das Netto- vom Bruttogehalt so niedrig sind. Der tatsächliche Standortnachteil liegt in den verheerenden Fehlentscheidungen der Regierungsparteien der letzten Jahre sowie dem grenzenlosen Opportunismus führender Wirtschaftsvertreter und Arbeitgeberverbände sowie den Alt-Gewerkschaften im DGB. Diese haben den Fehlentwicklungen sowie der dadurch einsetzenden De-Industrialisierung in Deutschland nichts entgegengesetzt, sie im Gegenteil weitgehendst für gut empfunden oder sogar selbst eingefordert. Dafür will jedoch keiner der Genannten heute die Verantwortung tragen.
Die Kosten dieser Fehlentscheidungen sind real. Diese werden nun auf die Menschen – allen voran auf die Beschäftigten in Deutschland – abgewälzt.
So auch für die hausgemachten Probleme bei Mercedes. Viel Geld wurde verbrannt für die Luxus-Strategie, die sich genauso wie die ökonomisch wie ökologisch mehr als fragwürdige „Electric Only“-Strategie als Fehler entpuppte.
Dieses durch eigene Fehler des Mercedes-Vorstands vernichtete Geld sollen nun die Beschäftigten mit Zustimmung der IG Metall durch NLP bringen – und das trotz Milliardengewinnen und einer Rendite von über 8 Prozent. Als Krönung für diesen „Erfolg“ gönnt sich der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius eine jährliche Vergütung von 12,49 Millionen Euro. Fraglich, ob Manager in Ungarn vergleichbare Gehälter beziehen.
Der Bärenanteil der Einsparungen bei Mercedes wird durch Fremdvergabe, Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland und umfangreichen Personallabbau mittels sogenannter „freiwilliger Ausscheidungsvereinbarungen“ realisiert werden. Es ist zwar „noch“ richtig, dass betriebsbedingte Kündigungen (wenn Mercedes weiter Milliarden-Gewinne einfährt) nicht ausgesprochen werden. Das hat in der Vergangenheit aber nicht etwa den Stellenabbau beispielsweise am Mercedes-Standort Untertürkheim von über 4.000 Arbeitsplätzen in einem Zeitraum von vier Jahren verhindert. Der Niedergang der deutschen Mercedes-Standorte wird mit dieser Vereinbarung also weiter ungebremst voranschreiten.
Eine weitergehende Einordnung findet ihr im folgenden sehr sehenswerten Film auf YouTube:
https://youtu.be/NW0b5745ULE?si=PkrQajAVQCSWdVaw






