Im Frühjahr 2025, also nachdem die E-Auto-Wende ausgeblieben ist und die deutsche Automobilindustrie drastische Gewinneinbrüche verzeichnet hat, stellt Hildegard Müller, Vorsitzende des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und angelernte Automobilexpertin fest, dass die deutsche Autoindustrie aufgrund der Energiekosten, den Bürokratiebelastungen, der Steuer- und Abgabenlast und der Arbeitskosten und anderen Standortfaktoren international nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Viel deutlicher als mit dieser banalen Feststellung könnte Hildegard Müller ihre Ahnungslosigkeit gar nicht zum Ausdruck bringen.
Die erste Frage ist, wie konnte es so weit kommen? Die zweite Frage muss sein, was ist jetzt zu tun?
Zu Frage eins: Die aktuelle Krise in der deutschen Automobilindustrie kommt nicht von ungefähr, sondern steht in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Regulierung beziehungsweise Abschaffung des Verbrennungsmotors, was auf europäischer Ebene beschlossen wurde. In voller Kenntnis der Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und die Unternehmen hat der Deutsche Bundestag der Abschaffung des Verbrennungsmotors und der Verschärfung der CO2-Grenzwerte stillschweigend zugestimmt. Es wäre sehr gut möglich gewesen, auf europäischer Ebene ein deutsches Veto einzulegen, und die fatalen Regelungen wären nie gekommen. Dazu hätte es aber einer starken Position der Automobilhersteller bedurft, die die vorliegenden Erkenntnisse über den VDA mindestens in die Politik kommuniziert hätten. Nichts dergleichen war zu hören.
Einige Autohersteller haben sich sogar überboten mit der Forderung an die Politik, den Verbrennungsmotor doch jetzt endlich abzuschaffen. Beispiele hierfür sind der ehemalige VW-Konzernchef Diess, der die wohl aggressivste E-Auto-Strategie verfolgte und bereits 2022 geschasst wurde, aber auch Ola Källenius konnte es nicht schnell genug gehen mit der E-Auto-Wende.
Natürlich war die These der für die Autoindustrie wirtschaftlichen positiven Auswirkungen der Umstellung auf Elektromobilität ein Hirngespinst. Politiker aus anderen europäischen Ländern haben damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und konnten die Naivität der deutschen Politik, aber auch der deutschen Autobosse nicht fassen. Die für Arbeitnehmer fatale Kombination aus Industrielenkern, die im vorauseilenden Gehorsam jede Konfrontation mit der Politik scheuen und Politikern, die mit ideologisch verblendeter Sicht Industriepolitik machen, funktioniert nie lange.
Das bringt uns zu Frage zwei: Was ist zu tun, um den Absturz der deutschen Autoindustrie ins Bodenlose zu vermeiden?
Rückbesinnung auf unsere Stärken: eine ideologische Politik, in der man alle Menschen zwingt, Elektroauto zu fahren, funktioniert offensichtlich nicht und führt zu Kaufzurückhaltung.
Die Kunden müssen die Produkte wieder mit Begeisterung kaufen. Entweder man hat eine Technologie, die die Kunden überzeugt oder man hat sie eben nicht. Elektromobilität muss bezahlbar und komfortabel nutzbar sein.
Ein Verbot von Verbrennungsmotoren, das übrigens nur in ungefähr 10 Prozent des Weltmarktes (Tendenz sinkend) gilt, kann dabei nicht die Lösung sein. Ein Autokonzern muss realisieren, dass weite Teile der Welt auch zukünftig Autos mit Verbrennungsmotoren nutzen werden, wenn diese überlegen sind. Auf gar keinen Fall kann man die Entwicklung von Verbrennungsmotoren für 90 Prozent des Weltmarktes einstellen, da man sonst den technologischen Anschluss verliert. Niemand beherrscht es besser als deutsche Autohersteller, die kleine Chemiefabrik Verbrennungsmotor komfortabel, sparsam und gleichzeitig leistungsstark in Autos zu integrieren. An diesem Kerngeschäft sollten auch die deutschen Konzerne nicht aus ideologischen Gründen zweifeln.
Gleichzeitig muss eine Unabhängigkeit von asiatischen Batterieherstellern erkämpft werden. Ob im Verbund mit anderen deutschen Partnern oder allein ist dabei irrelevant. Wer Batterietechnik beherrscht, dominiert Elektromobilität. Dabei geht es nicht nur um die Technik. Es geht um die gesamte Produktionskette inklusive der Rohstoffe. Die energieintensive Produktion kann mit den hohen Energiekosten an deutschen Standorten nicht wirtschaftlich betrieben werden. Hierfür gibt es technische Lösungen. Man muss diese nur technologieoffen umsetzen. Es ist die Pflicht der Autoindustrie, die Politik in Deutschland daran zu erinnern, dass es keinen freien Weltmarkt von Rohstoffen und Energie gibt. Es gibt fast nichts, was mehr reguliert wird in Europa als Energie, und weltweit gibt es fast nichts, was die Deutschen schlechter können als die (privilegierte) Sicherung von Rohstoffen für Elektromobilität – beispielsweise in Afrika. Wenn die deutsche Autoindustrie auch in Zukunft an der Weltspitze mitspielen will, geht das nur mit klaren Vorgaben an die Politik:
- Technologieoffene CO2-Reduktionspolitik in Europa und Rücknahme des Verbrenner-Verbots
- Technologieoffene CO2-arme Energieerzeugung in Deutschland, um Energiekosten zu senken
- National orientierter, politisch-diplomatischer Ansatz zur privilegierten, günstigen Rohstoffversorgung in Ländern mit seltenen Bodenschätzen (Kobalt, Lithium, Neodym etc.).
All das muss man nicht machen. Wir können auch weiter versuchen, die Welt zu belehren. Eines ist auf jeden Fall klar: Am Ende wird niemand auf jemanden hören, der sich in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit verabschiedet hat.






