In einem dringlichen Appell an Bundeskanzler März warnen mehrere ostdeutsche Betriebsräte vor dem Verlust von Hunderttausenden Industriearbeitsplätzen. Darüber berichteten unter anderem Die Welt (07.07.2025) sowie Blackout News (09.07.2025).
Letztere zitiert aus dem Schreiben, das unter anderem von den Belegschaftsvertretern von BASF Schwarzheide, ArcelorMittal und dem Kraftwerksbetreiber Leag stammt:
„Noch nie waren so viele gute Arbeitsplätze bedroht wie heute.“
An anderer Stelle heißt es dramatisch: „Der Patient droht, auf dem OP-Tisch zu sterben.“
Einordnung von Oliver Hilburger, Vorsitzender der alternativen Gewerkschaft Zentrum
Die Kritik der Kollegen ist berechtigt – sie benennen die zentralen Probleme und treffen den wunden Punkt.
Doch müssen sich die Kollegen Enrico Symanzig (Betriebsratsvorsitzender bei BASF Schwarzheide, Mitglied der DGB-Gewerkschaft IGBCE), Dirk Vogeler (IG-Metall-Betriebsratsvorsitzender bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt) sowie Toralf Smith (IGBCE-Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Kraftwerk AG) auch die Frage gefallen lassen, warum sie ausgerechnet in jenen DGB-Gewerkschaften aktiv sind, die maßgeblich zu den jetzigen Zuständen beigetragen haben.
Gerade die DGB-Gewerkschaften haben sich als politische Wegbereiter der Regierungsagenda betätigt und die ideologisch motivierte Transformation der Energiewirtschaft mitgetragen – oft gegen den Willen und die Interessen der Beschäftigten. Statt auf realistische Perspektiven zu setzen, wurden blühende Landschaften in neuen, „zukunftsfähigen“ Geschäftsmodellen versprochen. Kritische Stimmen – auch aus unserer alternativen Gewerkschaft Zentrum – wurden hingegen als „rechtspopulistische Stimmungsmache“ diskreditiert.
Nun, da das energiepolitische Desaster für niemanden mehr zu übersehen ist, mag die geäußerte Kritik zwar sachlich richtig sein – doch glaubhaft ist sie nur, wenn den Worten auch Taten folgen.
Glaubwürdig wäre es, wenn die genannten Betriebsräte offen gegen die Beschlüsse ihrer eigenen Gewerkschaften auftreten – oder besser noch: ihnen den Rücken kehren und sich einer konsequent arbeitnehmerorientierten Alternative wie dem Zentrum anschließen.
Ansonsten bleibt der Brandbrief ein symbolischer Akt – ein Sturm im Wasserglas. Vielleicht auch ein Versuch, im Vorfeld der anstehenden Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 die Belegschaften zu besänftigen oder gar zu täuschen.






